Trump Solo Play

…oder wie ich lernte, dass Logik nicht immer funktioniert. In der vergangenen Nacht waren in den USA Wahlen. Was das mich betrifft? Nun, ich arbeite für eine Firma, deren Hauptsitz in den USA sitzt. Das genügte mir als Rechtfertigung. Auf dem Weg zum Bahnhof also die Ohrstöpsel rein und Radio an, im Zug nach Hamburg CNN auf dem Tablet. Auch bei einigen anderen Fahrgästen waren Live-Streams auf den Bildschirmen zu erkennen und jemand hatte sogar seinen Hotspot „pleasenottrump“ genannt.

Als das Ergebnis klarer wurde, machte sich spätestens auf der Arbeit Angst breit. Eine allgemeine, schwer in Worte zu fassende Angst.

Jetzt, ein paar Stunden später, stellt sich diese innere Beruhigung ein, die sich kommt, nach dem man sich gebetsmühlenartig immer und immer wieder gesagt hat, das es schon nicht so schlimm werden würde…

Ich bewegte mich in einem Klima der Bestätigung in meiner Angst. Alle mit denen ich sprach, teilten meine Angst und es wurde zu einem Konsens.

Dann aber sprach ich mit einem Mann in England (kein Kunde) und als ich auf das Thema kam, antwortete er nur: „Das Fass wollen wir mal lieber nicht aufmachen“. Merkwürdigerweise interpretierte ich seine Reaktion als Befürwortung des Wahlergebnisses und fühlte mich abgestossen. In meinem Kopf ist dieser Mann ein Hard-Core-Christ -auch wenn ich nur wenige Indizien dafür gesehen habe. Er wäre nicht der einzige aus meinem Bekanntenkreis, der Trumps Aussagen bzgl. Abtreibungen befürwortet. Ich gebe zu, das ich in diesem Punkt einen liberaleren Standpunkt vertrete – aber genau genommen war Abtreibung einfach nie mein Thema. In meinem Kopf spukten nun immer wieder Fragen an diesen Menschen herum, aber es wird sich wohl kaum noch eine Gelegenheit finden, mit ihm darüber zu reden.

Spinning around

… oder: Mir ist kalt. Wenn man etwas regelmäßig, z.B. jährlich, dann nennt man im Allgemeinen so etwas wie „Tradition“. So händeln meine Lieblingscousine und ich auch unser alljährliches „Breakdancer“-fahren auf dem Bremer Freimarkt. Es ist unserer Tradition. Die mir so wichtig ist, das ich dafür knapp 4 Stunden im Auto sitze um nach Bremen zu kommen (und wieder zurück) und um dann mit Ihr 3-6 Fahrten zu unternehmen. Es ist auch egal, wie kalt es ist. Oder ob es schneit oder regnet. Unsere mitgeschleppte Begleitung steht zumeist verständnislos davor, bibbert und wartet darauf, das wir „unsere Tradition“ für Erledigt erklären. Also, bis zum nächsten Jahr, Beste Cousine von Allen!!

Bedürfnispyramide oder „Gibt es da auch Internet?“

Nach dem Unterzeichnen des Mietvertrages und der Kündigung der alten Wohnung steht natürlich das nächst-wichtigste auf dem Plan: Das Internet. Also habe ich mich kurzerhand im Kundenportal des Providers meines Vertrauens eingeloggt und nachgesehen. Und mich zurückgelehnt.
Langsam ausgeatmet. Die zitternde Hand von der Maus genommen. Uff.

Was meinen die mit „an Ihrem neuen Standort ist 16000er DSL verfügbar“?  Hmm. Dabei hatte ich mich gerade an die 100 MBit gewöhnt. Und jetzt solle ich wieder so langsam wie zuvor surfen? Ausserdem hat das Haus keine Antenne und keine Satelliten-Schüssel… letzteres ging anscheinend wegen des Denkmalschutzes nicht. Naja, und IP-TV geht mit 16MBit auch nicht so gut. DVB-T(2) funkte angeblich auch nur über unsere Häuser hinweg… Waaaaaaah. Aber Moment mal… Du guckst doch fast gar kein Fernsehen mehr… Die Schnappatmung setzte ein… wurde aber langsamer bis ich schließlich ruhiger wurde.

Am nächsten Tag nochmal die Seite der DTAG aufgesucht … und.. was soll ich sagen? Plötzlich, über Nacht, waren 50 MBit verfügbar. Damit kann man ja leben. Wenn es sein muss…

Ich kündige!

Da ich nicht alleine im Mietvertrag stehe, brauchte ich also noch die Unterschrift der „Ehemaligen“. Als die Kündigung dann im Briefkasten war habe ich sie schnell unterschrieben und am nächsten Tag zur Post gebracht. Die lieben Kollegen bei der Post werfen nicht nur die Briefe in den Briefkasten, nein, auch mit lustigen „Angeboten“ bei der Zustellung. Aus Unwissenheit habe ich mich für die teuerste Variante entschieden – um auf Nummer Sicher zu gehen.

Die ersten Schritte…

Puh. Am ersten Abend die erste Kiste mit Büchern gepackt. Ich habe keine Ahnung, wie man Umzieht. Ich weiss nicht mal wie lange sowas dauert. Muss ich schon anfangen? Bin ich zu früh dran? Schaffe ich das alleine? Brauche  ich Hilfe? Wenn ja, wieviele Leute, Autos, Kartons brauche ich denn?

Mein letztes Mal ist eine gefühlte Ewigkeit her. Immerhin 10 Jahre. Seit 10 Jahren wohne ich hier, erdrückt von alten Erinnerungen. Erinnerungen, die mich, wie die Schlange Kaa im Dschungelbuch, versuchen zu hypnotisieren.

Ich muss wohl mal eine Liste erstellen, von den Dingen die ich mitnehmen will… Also… #1 meine Bücher… Na, war doch gar nicht so schwer. Das meiste ist also geschafft!

Mietvertrag unterschrieben

Wohnungsbesichtigung
Wohnungsbesichtigung

Die schlaflosen Nächte die ich bis heute hatte? Vergangen. Vergessen. Vergeben. Wie in Trance unterschreibe ich den Vertrag – nicht wissend, ob ich das Richtige tue.

Von dem Moment an, an dem ich das Haus gesehen habe, wollte ich es haben. Trotz diverser ungeklärter und ungelöster Probleme. Passen alle Möbel rein? Was muss ich neu kaufen? Drei Monate doppelte Miete zahlen. Alte Küche verkaufen und, und, und…

All das ist jetzt egal. Mit einem letzten energischen Strich vollende ich meine Unterschrift auf dem Vertrag. Ich werde wieder Lübecker.